Essen: Neues Medikament eröffnet erstmals sichere Therapieoption bei Fettlebererkrankung

Die Europäische Union hat erstmals ein Medikament zur Behandlung der Fettlebererkrankung mit milder Fibrose zugelassen: Resmetirom.

3D-Illustration einer Leber, Fettleber
3D-Illustration einer Leber (Symbolbild Fettleber)
© Adobe Stock | PIC4U

Für Betroffene ist die Zulassung von Resmetirom ein Meilenstein, denn bisher gab es keine zugelassene medikamentöse Therapie für die weit verbreitete Fettlebererkrankung. Wichtige Teile der dazu notwendigen Forschungsarbeiten wurden an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und dem Universitätsklinikum Essen durchgeführt.

Resmetirom nutzt ein völlig neues Wirkprinzip. Der Wirkstoff aktiviert gezielt den Schilddrüsenhormonrezeptor beta in den Leberzellen. Dadurch wird der Fettstoffwechsel in der Leber verbessert, ohne dass es – wie bei der Gabe von klassischen Schilddrüsenhormonen – zu Nebenwirkungen im restlichen Körper kommt.

„Die günstigen Effekte von Schilddrüsenhormonen auf die Leberverfettung waren seit Jahrzehnten bekannt. Aber wir konnten sie klinisch nicht nutzen, weil eine systemische Gabe immer zu Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion geführt hätte“, erklärt Prof. Dr. Lars Möller. Er ist Professor für Translationale Schilddrüsenforschung und Forscher an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. „Erst die Entwicklung eines selektiven Wirkstoffs wie Resmetirom macht es möglich, die positiven Wirkungen des Hormons lokal in der Leber zu nutzen, ohne den ganzen Körper zu belasten.“

„Wesentliche Grundlagen für das Verständnis dieser selektiven Wirkweise wurden im Sonderforschungsbereich/Transregio 296 LOCOTACT – Local control of thyroid hormone action gelegt“, erklärt Prof. Dr. Dr. Dagmar Führer-Sakel. Sie ist Direktorin der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Essen.

Im SFB LOCOTACT konnte das Team rund um Prof. Möller zeigen, dass Resmetirom durch leberspezifische Transporter besonders effizient in Hepatozyten aufgenommen wird und so seine Organselektivität erhält. Zudem wurde nachgewiesen, dass der Wirkstoff deutlich stärker an den Schilddrüsenhormonrezeptor beta als an den Rezeptor alpha bindet. In präklinischen Modellen zeigte sich außerdem, dass Resmetirom keine messbaren Effekte auf Herz oder Hypophyse auslöst. Hinweise aus diesen Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass regelmäßiger Alkoholkonsum die positiven Effekte des Medikaments auf den Leberstoffwechsel abschwächen kann. Die Arbeiten aus der Klinik für Endokrinologie wurden 2025 mit dem von Basedow Preis der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, dem höchsten Preis für Schilddrüsenforschung ausgezeichnet.

„Dass ein selektiver Schilddrüsenhormonrezeptor-Agonist nun in die klinische Anwendung kommt, ist ein großer Fortschritt für die Stoffwechselmedizin“, betont Prof. Dr. Dagmar Führer-Sakel. „Wir sehen hier erstmals, wie die gezielte, organspezifische Aktivierung eines natürlichen Hormons therapeutisch genutzt werden kann. Für Fettlebererkrankungen bedeutet das einen echten Durchbruch.“

Mit der Zulassung von Resmetirom wird ein wissenschaftliches Konzept Realität, an dem auch Forschende im SFB Locotact lange gearbeitet haben: die sichere, lokal begrenzte Modulation von Hormonwirkungen. Dies könnte künftig auch in anderen Bereichen der Endokrinologie neue Wege eröffnen.


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