Duisburg/Essen: Bessere Krisenvorsorge dank bundesweitem Register für Intensivmedizin

Ein Projekt aus dem Netzwerk Universitätsmedizin bündelt erstmals Routinedaten aus der Intensivmedizin mit dem Ziel, die Behandlungsqualität objektiv zu bewerten und gezielt zu verbessern.

Sprecherin PD Dr. Nora Bruns (UDE/UK Essen) und Prof. Dr. Falk von Dincklage (Universitätsmedizin Greifswald) leiten das Projekt RAPID Intensivmedizin
Sprecherin PD Dr. Nora Bruns (UDE/UK Essen) und Prof. Dr. Falk von Dincklage (Universitätsmedizin Greifswald) leiten das Projekt RAPID
© NUM/Jung-Wolff

Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) sind mit Kolleg:innen der Universitätsmedizin Greifswald und weiteren Universitätsklinika soeben in das Projekt RAPID gestartet, das zum Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) gehört. Ziel ist es, ein bundesweites Register aufzubauen, in dem erstmals Routinedaten aus der Erwachsenen- und Kinder-Intensivmedizin gebündelt werden. Dies hilft Forschung und Behandlung – auch mit Blick auf Krisen. Es ermöglicht, Entwicklungen früher zu erkennen und Ressourcen gezielter zu steuern.

RAPID steht für „Registry of Adult and Pediatric Intensive Care Data“. Mit dem Register sollen erstmals Intensivdaten aus ganz Deutschland automatisch zusammenfließen. Die Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) übernimmt eine Schlüsselrolle. Sprecherin PD Dr. Nora Bruns leitet das Projekt zusammen mit Prof. Dr. Falk von Dincklage von der Universitätsmedizin Greifswald. „Wir schaffen mit dem Register die technische Grundlage, um die Versorgungsqualität bundesweit auf Basis realer Routinedaten zu prüfen“, sagt PD Dr. Brun. Sie arbeitet als Oberärztin in der Klinik für Kinderheilkunde I des Universitätsklinikums Essen. „Gerade in der Kinderintensivmedizin ist eine belastbare Datengrundlage entscheidend, um die Behandlungsqualität objektiv zu bewerten und gezielt zu verbessern.“

Das Register arbeitet dezentral und föderiert, die Daten bleiben an den Standorten gespeichert. Sie werden über Schnittstellen aus den Intensiv-Informationssystemen der Kliniken erfasst – ohne zusätzliche manuelle Eingabe. So entsteht ein nahezu flächendeckendes Bild der intensivmedizinischen Versorgung in Deutschland.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Qualitätsmessung. Die Wissenschaftler:innen untersuchen, wie sich etablierte Qualitätsindikatoren wie die Länge des Krankenhausaufenthalts auf Behandlungsergebnisse auswirken. So kann die Versorgungsqualität zwischen Kliniken verglichen werden.
RAPID wird in der dritten NUM-Förderphase mit rund 2,8 Millionen Euro über knapp drei Jahre vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt BMFTR gefördert. Davon fließen knapp 330.000 Euro an das Team in Essen.

Im NUM führen erstmalig alle 37 deutschen Standorte der Universitätsmedizin gemeinsam große interdisziplinäre klinische Forschungsprojekte durch. Gestartet, um die COVID-19-Forschung der deutschen Universitätsmedizin zu koordinieren, liegt der Schwerpunkt heute auf der gemeinsamen Erhebung und Nutzung komplexer medizinischer Forschungsdaten im klinischen Kontext. Dafür hat das Netzwerk spezialisierte Forschungsinfrastrukturen aufgebaut.


Weitere Informationen

Weitere Neuigkeiten aus NRW zu Innovationen, Forschungsergebnissen und Entwicklungen der innovativen Medizin finden Sie bei unseren News.


Beitrag teilen:
X
LinkedIn
Mail
Link kopieren