04.08.2025
Die SmArt-E Intervention stellt eine vielversprechende Möglichkeit zur Behandlung von Menschen mit Knie- und Hüftarthrose dar. Der Trend geht in die richtige Richtung – zugunsten der SmArt-E Intervention – auch wenn leider nur relativ wenige signifikante und klinisch relevante Veränderungen festgestellt wurden. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass SmArt-E eine alternative Versorgungsoption neben der Regelversorgung darstellt, die in keinem der untersuchten Aspekte weniger effektiv als die aktuell übliche Versorgung ist

© Hochschule Bochum
Am 24. Juni 2025 fand die Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts statt. Im Mittelpunkt stand die Präsentation der zentralen Studienergebnisse zur Effizienz und Wirksamkeit einer digital begleiteten physiotherapeutischen Intervention im Vergleich zur konventionellen Regelversorgung bei Knie- und Hüftarthrose. Die sogenannte SmArt-E Intervention umfasste ein sechs Wochen langes, physiotherapeutisch begleitetes Trainings- und Edukationsprogramm, das im Anschluss durch eine App zuhause weitergeführt wurde.
Blick aus verschiedenen Perspektiven
Das interdisziplinäre Konsortium, geleitet von der Hochschule Bochum, arbeitete in den vergangenen zwei Jahren eng zusammen. Die Studienteilnehmenden und Physiotherapeut:innen wurden durch die Studienzentren in Bochum, Cottbus und Tübingen vor Ort begleitet. Zudem wurden Schulungen von der Charité Universitätsmedizin – Berlin angeboten. Parallel dazu bereiteten die Techniker Krankenkasse TK, das Kompetenzzentrum für Klinische Studien in Bremen und das SOCIUM die gesundheitsökonomische Evaluation methodisch vor. Wertvolle Impulse erhielt das Forschungsteam regelmäßig von den Kooperationspartnern aus den Niederlanden, vertreten durch Dr. Cindy Veenhof und Dr. Corelien Kloek.
Alternative neben Regelversorgung
Prof. Dirk Peschke von der Hochschule Bochum stellte die Hauptergebnisse der Studie vor: „Nach zwölf Monaten zeigten sich beim Schmerzempfinden und bei der Gelenkfunktion keine eindeutigen Vorteile der SmArt-E Intervention gegenüber der Regelversorgung. Allerdings ergaben sich nach drei Monaten Hinweise auf eine stärkere Schmerzreduktion in der SmArt-E Gruppe. Nach zwölf Monaten waren außerdem größere Verbesserungen in den Bereichen „Kräftigung“, „Selbstwirksamkeit“ und in der Funktion bei Kniearthrosen erkennbar.“, so der Professor für Physiotherapie.
Konsortialpartner zufrieden
Auch die Projektpartner zogen eine positive Bilanz. Hannes Böbinger, Projektleiter bei der Techniker Krankenkasse, freut sich über das positive Feedback der Teilnehmenden, welches die „Akzeptanz und den Mehrwert dieser innovativen Methode“ unterstreiche. Durch den direkten Dialog mit den Versicherten habe man „wichtige Einblicke und wertvolle Anregungen erhalten, um die Versorgung weiter zu verbessern.“ Ute Repschläger, Vorstandsvorsitzende des Physiotherapieverbands IFK, unterstrich die Bedeutung des Projekts für die Profession der Physiotherapie: „Wir haben ein großes Interesse daran, die Versorgung unserer Patienten zu gewährleisten und stetig weiterzuentwickeln. Solche Projekte im wissenschaftlichen Kontext helfen dabei, unsere Profession zukunftsfest aufzustellen.“
Auswertungen verschiedener Aspekte
Derzeit arbeiten die Konsortialpartner der Ruhr-Universität Bochum, insbesondere die Abteilung Allgemeinmedizin um Prof. Horst Christian Vollmar, an der Abschlusserstellung der Prozessevaluation. Diese widmet sich der Frage, inwieweit der Ablauf der Studie, die Qualität einzelner Prozesse, sowie die Einschätzungen und das Mitwirken der Teilnehmenden das Ergebnis beeinflusst haben könnten.
Weiterhin wird aktuell analysiert, wie SmArt-E nachhaltig und in verschiedenen Versorgungskontexten in die Fläche gebracht werden könnte.
Parallel dazu schließt das SOCIUM der Universität Bremen um Prof. Heinz Rothgang die gesundheitsökonomische Evaluation ab, um die Rentabilität der Intervention für das deutsche Gesundheitssystem zu bewerten.
Wie geht es weiter?
Der abschließende Schritt liegt beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA): Nach eingehender Prüfung kann im besten Fall eine Empfehlung zur Aufnahme in die Regelversorgung erfolgen. Die finalen Ergebnisse sind spätestens Mitte 2026 auf der Webseite des G-BA abrufbar.
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