04.05.2026
Es werden zentrale Strategien zur Diagnostik beschrieben, darunter gezielte Fragen für Patientengespräche sowie Hinweise zur Interpretation der Antworten, gefolgt von empirisch gestützten psychosozialen Behandlungsansätzen, die sowohl in integrierten als auch in eigenständigen Versorgungskontexten eingesetzt werden können.
Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt erstmalig Informationen und Leitlinien für Fachkräfte, die Patient:innen mit Störungen der Darm-Hirn-Achse betreuen. Evidenzbasierte psychosoziale Ansätze für Erwachsene und für den pädiatrischen Bereich werden zusammengefasst. Erstautorin des in der Zeitschrift „“ erschienenen Beitrags ist Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch.
Reizdarmsyndrom, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Dyspepsie oder kurz zusammengefasst funktionelle Magendarmerkrankungen – die Liste der durch eine gestörte Darm-Hirn-Achse verursachten Beschwerden ist lang. Millionen Menschen sind betroffen. Zwischen Gehirn und Eingeweiden besteht eine direkte Verbindung, die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Entlang dieser Achse läuft ein wichtiges Kommunikationsnetzwerk in beide Richtungen. Die Erkenntnisse über die wechselseitigen Einflüsse biologischer und psychosozialer Faktoren auf die Darmphysiologie, die Mechanismen des Gehirns sowie die belegten Erwartungseffekte haben in den vergangenen Jahren die Forschung, Diagnostik und Therapie maßgeblich beeinflusst.
Moderne ganzheitliche Versorgung
„Das neue Standardwerk bietet eine fundierte und praxisnahe Orientierung, um die komplexe Darm-Hirn-Interaktion besser zu verstehen und gezielt in die Patientenversorgung zu integrieren. Es richtet sich ausdrücklich an Klinikerinnen und Kliniker aller Fachdisziplinen und nicht nur an die Gastroenterologie“, erklärt die Psychologin Sigrid Elsenbruch. Sie ist Professorin für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum, Mitglied der Medizinischen Fakultät am Universitätsklinikum Essen und Teilprojektleiterin von zwei Sonderforschungsbereichen. Zudem gibt sie Empfehlungen für Ausbildungsprogramme von Fachkräften im Bereich der psychosozialen Versorgung bei „“ (DGBI). Professorin Elsenbruch will ein integratives Krankheitsverständnis vermitteln, das für die moderne Versorgung essenziell ist und eine differenzierte, ganzheitliche Betreuung von Patientinnen und Patienten unterstützt.
Angst und Stress
Besonders hervorzuheben ist, dass psychologische und verhaltensmedizinische Perspektiven – insbesondere moderne Ansätze aus der kognitiven Verhaltenstherapie – nun auf Basis eines mechanistischen Gesamtverständnisses in dem Beitrag und dem zeitgleich erschienenen Buch zentral integriert sind. Als Erstautorin freut sich Elsenbruch, die grundlagenwissenschaftliche Perspektive zur Entstehung und Modulation viszeraler Schmerzen einzubringen, mit einem Fokus auf Furcht-, Stress- und Angstprozesse sowie Lern- und Gedächtnismechanismen. Die Arbeiten in den DFG-geförderten Forschungsverbünden Sonderforschungsbereich 1280 („“, Ruhr-Universität Bochum) und Transregio 289 („“, Universität Duisburg-Essen) haben hierfür eine wesentliche mechanistische und konzeptionelle Grundlage geschaffen. „Dass diese Beiträge nun in einem solchen internationalen Kontext sichtbar werden, ist für mich und mein Team von besonderer Bedeutung.“
Neues Standardwerk
Der Beitrag stellt ein umfassendes, evidenzbasiertes Referenzwerk für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Störungen der Darm-Hirn-Interaktion dar. Er ist Teil der aktuellen Arbeiten der Rome Foundation, einer unabhängigen gemeinnützigen Organisation, die sich der Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Störungen widmet. Mit der Veröffentlichung in – dem offiziellen Fachjournal der einer der weltweit führenden Publikationen der Inneren Medizin, ist der internationale Stellenwert dokumentiert. Die Publikation dürfte sich als neues Standardwerk in diesem Fachgebiet etablieren.
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