Köln: Probleme in der Studiendurchführung

Für die Bewertung neuer Arzneimittel sind patientenberichtete Endpunkte von großer Bedeutung. In der Studiendurchführung werden diese Endpunkte allerdings immer wieder vernachlässigt. Das zeigt sich auch am Beispiel Asciminib.

Eine Person sitzt hinter einem Schreibtisch, in den Händen hält sie ein Tablet, davor liegt ein Klemmbrett und ein Taschenrechner, daneben steht eine braune Arzneiflasche. Klinische Studien
Studienplanung und -durchführung (Symbolbild).
© AdobeStock | ARMMY PICCA

Asciminib wird angewendet zur Behandlung von erwachsenen Patient:innen mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie in der chronischen Phase. In einer Nutzenbewertung hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nun untersucht, ob Asciminib den Betroffenen Vorteile gegenüber dem bisherigen Therapiestandard bietet.

Die vom Hersteller vorgelegten Studiendaten offenbaren allerdings ein zentrales Problem: Die patientenberichteten Endpunkte (engl. Patient-Reported Outcomes, kurz PROs) wurden nur unvollständig erhoben. Für PROs beurteilen die Patientinnen und Patienten selbst, wie sich der Einsatz einer medizinischen Maßnahme etwa auf Symptome oder die gesundheitsbezogene Lebensqualität auswirkt. Deshalb haben PROs für die Betroffenen und für die Bewertung von Nutzen und Schaden von Arzneimitteln eine hohe Relevanz. Dennoch stellt die in manchen Herstellerstudien mangelnde Wertschätzung von PROs im Vergleich zu anderen Endpunkten ein wiederkehrendes Problem dar.

Patientenberichtete Endpunkte haben in der Studienplanung und -durchführung offensichtlich immer wieder nicht denselben Stellenwert wie klinische Parameter. Die Perspektive der Studienteilnehmenden muss dringend eine höhere Wertschätzung erhalten.
Philip Kranz, Bereichsleiter Hämato-Onkologie und Infektiologie im IQWiG-Ressort Arzneimittelbewertung

Das zeigt sich auch am Beispiel Asciminib: In beiden vom Hersteller vorgelegten Studien wurde nur bei rund 50 Prozent der Patient:innen ein PRO-Wert zu Studienbeginn erhoben. Ohne einen solchen Wert zu Studienbeginn sind Auswertungen zu PROs aber nicht sinnvoll möglich – die Hälfte der Patientinnen und Patienten bleibt somit in den Analysen unberücksichtigt. Unverständlich ist dabei insbesondere, wie ein solches Problem in zwei Studien gleichermaßen auftreten konnte, und dass dies offensichtlich erst spät im Studienverlauf bemerkt wurde.


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