13.11.2025

© UKB / R. Müller
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ein Reinhart-Koselleck-Projekt am Universitätsklinikum Bonn (UKB) und im Exzellenzcluster ImmunoSensation² der Universität Bonn mit 1,25 Millionen Euro. Das Forschungsteam um Prof. Christoph Wilhelm, Lehrstuhlinhaber für Immunpathologie am Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie, will erforschen, wie der Körper in Zeiten von Krankheit und Nahrungsmangel das empfindliche Gleichgewicht mit seiner Darmflora aufrechterhält.
Warum vergeht uns der Appetit?
Wenn wir krank sind, vergeht uns oft der Appetit – und das hat einen evolutionären Grund. Der Appetitverlust während einer Erkrankung ist eine uralte Überlebensstrategie, die dem Körper hilft, Energie auf die Abwehr von Infektionen zu konzentrieren. Doch während der Mensch fastet, müssen Milliarden von Mikroorganismen im Darm mit den neuen Bedingungen klarkommen. Werden Nährstoffe knapp, geraten sie unter Stress – und eigentlich harmlose Bakterien können in den Körper eindringen und Entzündungen auslösen.
„Unsere bisherigen Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass der Körper auf diesen Notfall vorbereitet ist“, erklärt Prof. Wilhelm „Wir vermuten, dass der Organismus spezielle Mechanismen entwickelt hat, um seine Darmbakterien auch in Zeiten knapper Nahrungszufuhr zu ‚füttern‘. Diese Interaktion zwischen Wirt und Mikrobiom ist ein faszinierendes Beispiel für das fein abgestimmte Zusammenspiel biologischer Systeme. Im Projekt wollen wir verstehen, welche molekularen Prozesse diese Balance steuern – und wie ihre Störung zur Entstehung von Krankheiten beiträgt.“ Prof. Wilhelm ist auch Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich „Life & Health“ der Universität Bonn.
Was unterstützt die Immunabwehr?
Das auf fünf Jahre angelegte Reinhart-Koselleck-Projekt kombiniert immunologische, mikrobiologische und metabolische Ansätze. Mithilfe modernster Bildgebung und molekularbiologischer Analysen soll untersucht werden, wie der Körper und seine mikrobiellen Partner in Phasen von Fasten oder Krankheit miteinander kommunizieren. Die Forschenden erwarten neue Erkenntnisse darüber, wie die Immunabwehr das Mikrobiom unterstützt. Und welche Faktoren darüber entscheiden, ob der Körper gesund bleibt oder Entzündungen entstehen.
„Dieses Projekt verbindet Grundlagenforschung und medizinische Relevanz auf besondere Weise“, sagt Prof. Wilhelm. „Wir wollen verstehen, wie Körper und Mikrobiom evolutionär gelernt haben, sich gegenseitig zu unterstützen – selbst unter extremen Bedingungen.“
Reinhart-Koselleck-Projekte sind ein besonderes Förderformat der DFG. Sie richten sich an herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die durch ihre bisherigen Leistungen wissenschaftliche Exzellenz und Originalität bewiesen haben. Die Förderung ermöglicht es, besonders risikoreiche, innovative und zukunftsweisende Forschungsansätze zu verfolgen, für die es noch keine gesicherten Vorarbeiten gibt. Benannt nach dem Historiker Reinhart Koselleck (1923–2006), zählt dieses Programm zu den prestigeträchtigsten Einzelförderungen der DFG.
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