Köln: Komplett ambulante CAR-T-Zelltherapie beim Multiplen Myelom

Erstmalig wurden in Deutschland ausgewählte Patientinnen und Patienten ambulant behandelt - Studie zeigt sichere und praktikable Umsetzung .

(v.l.) Prof. Dr. Christoph Scheid und Dr. Tim Richardson
(v.l.) Prof. Dr. Christoph Scheid und Dr. Tim Richardson © Michael Wodak

Forschende der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln haben erstmals in Deutschland eine vollständig ambulante CAR-T-Zelltherapie für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom eingeführt. Die Behandlung konnte sicher und praktikabel ambulant umgesetzt werden. Im Vergleich zur herkömmlichen stationären Therapie traten keine neuen Sicherheitsrisiken oder zusätzliche Nebenwirkungen auf. Die Ergebnisse wurden im hämatologischen Fachjournal „Hemasphere“ veröffentlicht.

Die CAR-T-Zelltherapie zählt zu den innovativsten Behandlungsformen für Patientinnen und Patienten mit wiederkehrendem Multiplem Myelom. Dabei werden körpereigene T-Zellen genetisch so verändert, dass sie Krebszellen mithilfe eines chimären Antigenrezeptors (CAR) gezielt erkennen und zerstören können. Bislang war diese Therapie in Deutschland routinemäßig mit einem mehrwöchigen stationären Krankenhausaufenthalt verbunden.

Zwischen August 2023 und Juni 2025 wurden an der Uniklinik Köln zwölf ausgewählte Patientinnen und Patienten mit dem CAR-T-Zellprodukt Cilta-cel vollständig ambulant behandelt. Vier der Patientinnen bzw. Patienten mussten vorübergehend stationär aufgenommen werden, wobei die Aufenthaltsdauer im Median lediglich drei Tage betrug. Neue Sicherheitsaspekte oder zusätzliche Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

Möglich wurde das ambulante Behandlungskonzept durch eine sorgfältige Auswahl geeigneter Patientinnen und Patienten sowie ein engmaschiges Überwachungsprogramm. Dieses umfasst drei Klinikbesuche pro Woche, tägliche telefonische Kontakte, eine eigenständige Kontrolle der Vitalparameter zu Hause sowie eine rund um die Uhr erreichbare CAR-T-erfahrene Hintergrundbereitschaft.

„Die ambulante CAR-T-Therapie war in Deutschland bisher nicht etabliert. Unsere Ergebnisse zeigen, dass sie mit dem richtigen Konzept und ausreichend institutioneller Erfahrung auch hierzulande sicher möglich ist“, sagt Dr. Tim Richardson. Er ist Leiter der Myelomsprechstunde an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln und Letztautor der Studie.

Mit rund 200 behandelten Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom zählt die Uniklinik Köln zu den erfahrensten CAR-T-Zentren Europas. Nach eigener Einschätzung ist sie zudem die erste europäische Einrichtung, die ein strukturiertes ambulantes Programm für diese Therapieform etabliert hat„Die ambulante CAR-T-Therapie steht exemplarisch für unseren Anspruch, innovative Behandlungen nicht nur sicher und hochwertig, sondern auch so patientenfreundlich wie möglich anzubieten. Dieses Ergebnis ist das Resultat jahrelanger Erfahrung und der engen Zusammenarbeit unseres gesamten Teams“, sagt Prof. Dr. Christoph Scheid, Oberarzt an der Klinik I für Innere Medizin und Leiter der CAR-T-Zell-Herstellung an der Uniklinik Köln. „Dank der sorgsamen Auswahl geeigneter Patienten konnten im Vergleich zur herkömmlichen stationären Versorgung insgesamt 172 Krankenhaustage eingespart werden – das entspricht 90 Prozent!“

Angesichts steigender Patientenzahlen in der zellulären Immuntherapie könnten ambulante Behandlungsmodelle künftig einen wichtigen Beitrag leisten: Sie verbessern die Patientenerfahrung, reduzieren potenzielle Risiken von Krankenhausinfektionen und entlasten gleichzeitig stationäre Behandlungskapazitäten.


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