Essen: Immuntherapie setzt neuen Standard bei Kleinzelligem Lungenkarzinom

Tarlatamab zeigt in der DeLLphi-304-Studie eine deutlich verbesserte Wirksamkeit gegenüber Standard-Chemotherapie bei kleinzelligem Lungenkarzinom. Die Ergebnisse aus Essen geben Hoffnung auf langfristige Krankheitskontrolle.

Symbolbild: Lungenkrebs
Symbolbild: Lunge mit Tumor. © AdobeStock | appledesign

Kleinzelllige Lungenkarzinome sind die gefährlichste Variante von Lungenkrebs und betreffen etwa 15% der Patient:innen. Eine Chemotherapie, kombiniert mit einem Immuncheckpunkt-Hemmer, führt bei den meisten Erkrankten zu einer Rückbildung der Tumoren und einer Linderung der Beschwerden. Leider tritt oft nach kurzer Zeit ein Rückfall auf, der mit weiteren Chemotherapien nur kurzfristig kontrolliert werden kann.

Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und der Universitätsmedizin Essen haben in einem internationalen Team einen Durchbruch in der Behandlung des kleinzelligen Lungenkarzinoms auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt und parallel im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlicht. Der immunaktivierende Wirkstoff Tarlatamab ist im Vergleich zur Standard-Chemotherapie deutlich wirksamer und verbessert das Überleben deutlich. Besonders wichtig: Bei einem Teil der Erkrankten kann der Krankheitsrückfall langfristig unterdrückt werden.

In der DeLLphi-304-Studie wurde das Medikament Tarlatamab mit Standard-Chemotherapeutika wieTopotecan, Lurbinectedin oder Amrubicin bei insgesamt 509 Patient:innen verglichen. Das Ergebnis: Mit Tarlatamab Behandelte hatten ein deutlich längeres Überleben und weniger Nebenwirkungen als mit Chemotherapie.

„Tarlatamab programmiert körpereigene Immunzellen als Waffen gegen den Lungenkrebs um“, erklärt Prof. Dr. Martin Schuler, Direktor der Inneren Klinik (Tumorforschung), Sprecher des Standorts West des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT West) und Koautor der Präsentation, die zeitgleich im NEJM veröffentlicht wurde. „Der Wirkstoff macht das Immunsystem gezielt auf Tumorzellen aufmerksam und kann so bei einem Teil der Patient:innen eine längerfristige Krankheitskontrolle erreichen.“

Die Universitätsmedizin Essen war als Studienzentrum maßgeblich an der klinischen Entwicklung beteiligt. „Diese Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie wichtig die enge Verzahnung von Forschung und Patientenversorgung ist“, betont Prof. Dr. Angelika Eggert, Ärztliche Direktorin der Universitätsmedizin Essen. „Wir freuen uns, unseren Patient:innen am Lungenkrebszentrum des Westdeutschen Tumorzentrums Essen neue Therapien schon frühzeitig im Rahmen von Studien anbieten können.“

Eine europäische Zulassung von Tarlatamab wird angesichts der Datenlage in naher Zukunft erwartet. Tarlatamab ist ein sogenannter bispezifischer Antikörper, abgeleitet von Antikörpern, die an CD3 auf T-Zellen und an DLL3 (Delta-like-Protein 3) auf der Oberfläche der SCLC-Zellen bindet. Dadurch werden gezielt körpereigene T-Zellen gegen DLL3-positive Tumorzellen aktiviert.


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