Duisburg / Essen: Wie Open-Label-Placebo-Forschung (gut) funktioniert

Ziel des Methoden-Kompendiums ist eine bessere Reproduzierbarkeit, Transparenz und klinische Übertragbarkeit von OLP-Studien in der Schmerzforschung sowie eine patient:innenfreundliche Kommunikation.

Die Forschung zu Open-Label-Placebos hat in den vergangenen Jahren erheblich an Dynamik gewonnen. Damit Studien international vergleichbar werden und ihre Ergebnisse zuverlässig eingeordnet werden können, braucht es gemeinsame methodische Empfehlungen.
Prof. Dr. Ulrike Bingel, Leiterin der Universitären Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Essen und Sprecherin des SFB 289 „Treatment Expectation
Symbolbild Medikamente, weiße Tabletten verschiedener Größe liegen auf einem Haufen, Placeboeffekt
Symbolbild Medikamente © AdobeStock | Mara Zemgaliete

Wie müssen Studien zu Open-Label-Placebos (OLPs) gestaltet sein, damit Ergebnisse belastbar, vergleichbar und klinisch aussagekräftig sind? Antworten liefert eine internationale Expert:innengruppe unter der Initiative des DFG-geförderten Sonderforschungsbereiches Treatment Expectation an der Universitätsmedizin Essen und der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Der Übersichtsartikel in der Fachzeitschrift PAIN stellt erstmals umfassende methodische Empfehlungen für die Planung, Durchführung und Berichterstattung von OLP-Studien vor.

Ziel ist es, die Qualität der Forschung zu verbessern und die Weiterentwicklung dieses jungen Forschungsfeldes in der Schmerzmedizin und darüber hinaus zu unterstützen. Ein besonderes Merkmal der Arbeit ist die systematische Einbindung der Perspektiven von Patient:innen.

Open-Label-Placebos enthalten keinen pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoff. Anders als klassische Placebos werden sie offen und transparent als Placebo verabreicht. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass sie unter bestimmten Bedingungen Beschwerden wie Schmerzen und andere subjektive Symptome lindern können. Mit dem wachsenden Interesse an diesem Forschungsansatz steigen die methodischen Anforderungen. So stellt die offene Studienanlage Forschende unter anderem bei der Auswahl geeigneter Kontrollgruppen, der Gestaltung der Aufklärung und der Vermeidung systematischer Verzerrungen vor besondere Herausforderungen. Das nun veröffentlichte Review bündelt den aktuellen Wissensstand und formuliert evidenzbasierte Empfehlungen für die Planung, Durchführung und Berichterstattung zukünftiger Studien.

„Unser Ziel war es, die Erfahrungen des Forschungsfeldes zusammenzuführen, eine Orientierung für zukünftige Studien zu bieten und damit dazu beizutragen, das Potenzial von OLPs systematisch und verlässlich zu untersuchen“, erläutert Dr. med. Jana Aulenkamp aus dem Autor:innenteam. Sie ist Clinician Scientist an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Universitätsmedizin Essen.

Die Publikation wurde maßgeblich von Wissenschaftler:innen in frühen Karrierephasen aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich und Australien mitgestaltet. Sie brachten aktuelle und internationale wissenschaftliche Perspektiven in die Entwicklung der Empfehlungen ein. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist ein zentrales Anliegen des SFB/TRR 289 und trägt dazu bei, innovative Forschung langfristig zu stärken. „Methodische Standards entstehen heute nicht mehr in einzelnen Arbeitsgruppen, sondern im wissenschaftlichen Austausch über Länder- und Fachgrenzen hinweg. Der Sonderforschungsbereich hat dafür den idealen Rahmen geschaffen“, sagt Prof. Dr. Ulrike Bingel.

Die Empfehlungen verbinden internationale Expertise mit den Erfahrungen des Patient:innenbeirats des Sonderforschungsbereichs „Treatment Expectation“. So wurden die methodologischen Leitlinien wesentlich durch ihre Gespräche und Beiträge ergänzt– etwa mit Blick auf Transparenz, Verständlichkeit und die Gestaltung von Studien. „Damit sollen zukünftige OLP-Studien nicht nur methodisch hochwertig, sondern auch stärker an den Bedürfnissen der Teilnehmenden ausgerichtet werden. Wir haben uns über das rege Interesse an der OLP-Forschung sehr gefreut, denn der Beirat hat mit den persönlichen Erfahrungen maßgeblich den Artikel bereichert“, erklärt die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Dr. Helena Hartmann vom Universitätsklinikum Essen.

Das Ziel des Methoden-Kompendiums ist eine bessere Reproduzierbarkeit, Transparenz und klinische Übertragbarkeit von OLP-Studien in der Schmerzforschung sowie eine patient:innenfreundliche Kommunikation. „Die weitere OLP-Forschung soll klären, wann und für wen offene Placebos tatsächlich einen klinischen Nutzen haben können“, erklärt die Ärztin Dr. Aulenkamp. Das könnte die evidenzbasierte Integration von OLPs in Behandlungsabläufe stärken, insbesondere als wirksamer und sicherer Zusatz zu bestehenden Therapien.


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