29.06.2026
In den vergangenen Jahren haben Hitzetage und extreme Hitzeereignisse weltweit – auch in Deutschland – zugenommen. Im Zuge des Klimawandels wird sich dieser Trend voraussichtlich fortsetzen. Hitze ist mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden: Allein zwischen 2018 und 2020 waren in Deutschland laut Robert Koch-Institut rund 20.000 Todesfälle mit Hitze assoziiert. Bestimmte Medikamente können hitzebedingte Gesundheitsrisiken zusätzlich verstärken, indem sie beispielsweise die Schweißproduktion, die Hautdurchblutung oder das Durstgefühl beeinflussen. Besonders betroffen sind Menschen mit mehreren Erkrankungen, bei denen die Einnahme bestimmter Arzneimittel während Hitzeperioden Gesundheitsrisiken durch Hitze erhöhen kann.
Arzneimittel und Hitze: Neue Unterstützung für Fachkräfte
Um Gesundheitsfachkräfte beim Umgang mit diesen Risiken zu unterstützen, ist im Forschungsprojekt ADAPT-HEAT unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Beate Müller vom Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln und der Uniklinik Köln gemeinsam mit der Medizinischen Hochschule Hannover sowie zahlreichen weiteren Institutionen die CALOR-Liste (lateinisch calor = Hitze, Wärme) entwickelt worden.
„Hitzeschutz spielt in der Gesundheitsversorgung eine immer größere Rolle“, so Prof. Müller. „Die CALOR-Liste hilft den Fachkräften, Risiken bei der Medikation zu identifizieren. Angesichts der ohnehin hohen Belastung kann das Gesundheitspersonal eine intensive Beratung im Sommer nicht alleine stemmen. Daher erstellen wir zusätzlich laienverständliche Materialien, um die Menschen zu befähigen, Warnzeichen im Alltag selbst zu erkennen.“
Evidenzbasierte Strategien für mehr Arzneimitteltherapiesicherheit
Ziel des Projekts war die Entwicklung evidenzbasierter, konsentierter und sektorenübergreifend anwendbarer Strategien zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei Hitze, um hitzebedingte Gesundheitsstörungen zu vermeiden. Damit leistet das Projekt nicht nur einen direkten Nutzen für die individuelle Versorgung von Patientinnen und Patienten, sondern trägt auch zu den umfassenden Bemühungen bei, das Gesundheitssystem resilienter gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.
Die finale Version der CALOR-Liste für medizinisches Fachpersonal steht zum Download bereit. Die laienverständliche Aufbereitung für Patientinnen und Patienten ist bis Ende 2026 geplant, ebenso wie ein interaktives Webtool.
Breites Netzwerk aus Forschung und Gesundheitsversorgung
An dem Gemeinschaftsprojekt waren neben dem Institut für Allgemeinmedizin die PMV Forschungsgruppe der Medizinischen Fakultät und der Uniklinik Köln, die Institute für Allgemeinmedizin und Palliativmedizin sowie für Klinische Pharmakologie der Medizinischen Hochschule Hannover MHH und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe KVWL beteiligt. Begleitet wurde es von einem Beirat, dem Expertinnen und Experten aus dem Gesundheitsamt der Stadt Köln, dem Pharmazeutischen Institut Universität Bonn, den Apothekerkammern Nordrhein und Niedersachsen, der Apotheke der Uniklinik Köln und der Vertretung der Patientinnen und Patienten der Deutschen Diabetes Hilfe angehörten.
Methodisch wurde zunächst eine Evidenzsynthese mittels strukturierter wissenschaftlicher Übersichtsarbeit und internationaler Best-Practice-Analyse durchgeführt. Ergänzend wurden Routinedaten der Gesetzlichen Krankenversicherung mit Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes verknüpft und ausgewertet. In einem nächsten Schritt wurden im Rahmen einer Delphi-Befragung mit über 30 Expertinnen und Experten insgesamt 27 Wirkstoffklassen und 71 Strategien konsentiert. Anschließend wurde die CALOR-Liste in Praxen, Apotheken und Krankenhäusern getestet.
Weitere Informationen
Der Leuchtturm Climate&Health.NRW beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit und wie diese adressiert werden können.
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