Ziele der Förderung
Das European Innovation Council unterstützt mit dem EIC Pathfinder visionäre, risikoreiche Forschung in sehr frühen Entwicklungsphasen. Ziel ist es, die wissenschaftliche Basis für potenziell disruptive Technologien zu schaffen und diese mindestens bis zum Proof-of-Concept/Proof-of-Principle zu bringen (typisch: TRL 1–4).
Pathfinder Challenges fördern zielgerichtete Portfolios innerhalb vordefinierter thematischer Challenges. Erwartet wird eine erkennbare Passfähigkeit zu den Challenge-Zielen und die Bereitschaft, im Portfolio aktiv mitzuwirken (inkl. gemeinsamer Roadmap-Logik). Für die Spitzenmedizin ist die Challenge Biotechnology for Healthy Ageing besonders relevant. Antragstellende sollen einen Proof of Concept in einem der folgenden drei Stränge entwickeln:
Präventive oder therapeutische Intervention
Im Fokus steht eine innovative Intervention, die den Beginn einer konkret benannten altersassoziierten Erkrankung verhindert, verzögert oder umkehrt. Erwartet wird u. a., dass die Intervention einen fundamentalen molekularen/zellulären Alterungsprozess adressiert, ihre Generalisierbarkeit über die Primärindikation hinaus plausibilisiert (z. B. Wirkung auf eine weitere, klar unterscheidbare altersassoziierte Trait-Ebene) und den Proof of Concept in einem physiologisch gealterten Wirbeltier-Modell interventional demonstriert. Außerdem soll ein belastbarer Exploitation-Pfad (inkl. ethisch-gesellschaftlicher, ökonomischer und regulatorischer Aspekte) erkennbar sein.
Biomarker-basiertes Tool zur „responsible deployment“ von Alters-Interventionen
Gefördert werden Tools, die auf bereits identifizierten Biomarker-Kandidaten bzw. Ageing-Clocks aufbauen – Biomarker-Discovery ist ausgeschlossen. Das Tool soll die Alterungsprozesse multidimensional abbilden (nicht nur „ein Parameter / ein Hallmark“), eine robuste Verbindung zwischen klinischen Merkmalen und Alterungsmechanismen ermöglichen und in einem retrospektiven Setting proof-of-concept-validiert werden (inkl. überzeugend nachgewiesenem Zugang zu geeigneten Kohorten). Zusätzlich wird Wert auf Deployment-Feasibility und frühes Nutzer-Feedback gelegt.
New Approach Methodology (NAM) für Alternsinterventionen
Unter NAMs werden Ansätze gefördert, die über den Stand der Technik hinausgehen und den „aged status“ eines Systems systemisch/integrativ erfassen (mehr als ein molekularer/zellulärer Aspekt und mehr als ein Gewebe-/Zelltyp), gegen relevante Tiermodelle gebenchmarkt und in einem klar definierten Use Case getestet werden (z. B. Interventionsentwicklung oder präklinisches/regulatorisches Setting).
Was wird gefördert?
Da es sich um eine Pathfinder Challenge handelt, werden Projekte nicht nur einzeln bewertet, sondern auch als Teil eines Portfolios aufgebaut. Entsprechend ist es sinnvoll, im Antrag klar zu machen, in welchen der drei Stränge (Intervention / Biomarker-Tool / NAM) das Vorhaben fällt und wie es komplementär zu anderen erwartbaren Projekten wirkt. Die Challenge Guide nennt als Portfolio-Leitplanken u. a. eine ausgewogene Abdeckung dieser Stränge und eine inhaltliche Diversität (z. B. unterschiedliche Alterungsprozesse, Indikationen, Biomarker-Typen, NAM-Ansätze).
Als Outcomes werden insbesondere TRL-3-Proof-of-Concepts für Interventionen in Wirbeltier-Modellen, Tools (z. B. biomarkerbasierte Signaturen oder geeignete präklinische Modelle) sowie Ansätze zur Bewältigung gemeinsamer regulatorischer und gesellschaftlicher Hürden erwartet.
Als Impacts adressiert die Challenge die Beschleunigung der Entwicklung und des Uptakes klinisch relevanter Interventionen, die Implementierung personalisierter Versorgung durch molekulares Phenotyping, Empfehlungen für regulatorische Pfade (Altern als Target) sowie eine bessere Longevity Literacy in der Bevölkerung.
Ausdrücklich außerhalb des Scopes liegen u. a. Precision Nutrition, die Entwicklung neuer Ageing-Clocks sowie Wellness-Anwendungen. Zudem sollen biologische Sex- und Gender-Determinanten berücksichtigt werden; reproduktives Altern ist explizit eingeschlossen.
Wichtige Voraussetzungen für die Förderung
Die Pathfinder Challenges 2026 sind für Konsortien oder Einzelantragstellende geöffnet. Ein Einzelantrag ist möglich, wenn die Organisation in einem EU-Mitgliedstaat oder assoziierten Land etabliert ist; als Einzeleinreichende sind u. a. Universitäten, Forschungseinrichtungen, Start-ups/SMEs und auch natürliche Personen genannt – Mid-Caps und größere Unternehmen sind als Single-Beneficiary nicht zulässig.
Für Konsortien gelten abgestufte Regeln: Zwei-Partner-Konsortien müssen aus zwei unabhängigen Rechtsträgern aus zwei unterschiedlichen Mitglied-/assoziierten Staaten bestehen; ab drei Partnern gilt die Standardlogik (mindestens drei unabhängige Rechtsträger aus drei Ländern, darunter mindestens ein EU-Mitgliedstaat). Gefördert wird als Research and Innovation Action mit 100% Förderquote über eine Lump-Sum-Förderung. Für diesen Call werden EU-Beiträge bis 4 Mio. € als passend angesehen; höhere Budgets sind möglich, müssen dann aber substanziell begründet sein (oder durch spezifische Challenge-Vorgaben gedeckt sein).
Wichtig: Der Lump-Sum-Betrag wird im Verfahren festgelegt, Antragstellende müssen ihn jedoch auf Basis einer plausiblen Kostenplanung begründen. Die Teilnahme am Portfolio-Ansatz ist nicht optional: Projekte sollen aktiv mit dem Programme Management interagieren, sich in gemeinsame Roadmap- und Austauschformate einbringen und flexibel auf Portfolio-Entwicklungen reagieren. Praktisch wird empfohlen, ein eigenes Arbeitspaket für Portfolio-Aktivitäten vorzusehen und dafür mindestens 10 Person-Monate einzuplanen.
Beratung für deutsche Antragssteller:innen
Die Nationale Kontaktstelle EIC Pathfinder berät zu der Förderung im Rahmen von EIC Pathfinder.
Nicole Jansen
Telefon: 0228 3821-1650
E-Mail: nicole.jansen@dlr.de
Michaela Holz
Telefon: 030 67055-8259
E-Mail: michaela.holz@dlr.de
Die Geschäftsstelle von Medizin.NRW unterstützt Akteure aus Wissenschaft, Klinik, Wirtschaft und Transfer dabei, passende Fördermöglichkeiten im Bereich der innovativen Medizin zu identifizieren. Dies umfasst insbesondere:
- eine erste Einordnung geeigneter Förderprogramme,
- Hinweise auf aktuelle Ausschreibungen,
- Orientierung zu nationalen, europäischen und NRW-spezifischen Förderwegen,
- Hinweise auf zuständige Projektträger, Nationale Kontaktstellen und Beratungsangebote,
- Unterstützung bei der Vernetzung mit potenziellen Kooperationspartnern,
- Hinweise auf Veranstaltungen und Informationsangebote zu Förderthemen.
Sprechen Sie uns gerne an, wenn Sie für ein konkretes Vorhaben eine erste Orientierung zu möglichen Förderwegen suchen.