06.10.2026

© UKB | A. Mismas
Am Universitätsklinikum Bonn (UKB) ist erstmals das neue Augenimplantat Contivue in der regulären Patientenversorgung eingesetzt worden. Zeitgleich erfolgte auch am Kepler Universitätsklinikum Linz die erste Anwendung. Am UKB erhielten zwei Patienten mit neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration (nAMD) das etwa reiskorngroße Implantat. Damit kommt das System am UKB deutschlandweit erstmals außerhalb einer klinischen Studie in der regulären Versorgung zum Einsatz.
Innovation in der Anwendung
Bei der nAMD wird der Bereich der Netzhaut geschädigt, mit dem wir besonders scharf sehen. Bei der sogenannten feuchten Form können krankhafte Blutgefäße entstehen und Flüssigkeit in die Netzhaut austreten. Um die Erkrankung zu kontrollieren, müssen Betroffene bislang meist regelmäßig Medikamente über viele Jahre direkt in das Auge spritzen lassen.
„Für viele Patientinnen und Patienten sind die häufigen Behandlungstermine eine Belastung – insbesondere, wenn sie älter oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind“, sagt Prof. Frank G. Holz, Direktor der Augenklinik am UKB. „Das neue Implantat ermöglicht es, den Wirkstoff über längere Zeit kontinuierlich abzugeben und damit die Abstände zwischen den Behandlungen deutlich zu verlängern und auch Fluktuationen in der Wirkstoffkonzentration zu minimieren.“
Weniger Behandlungstermine durch kontinuierliche Wirkstoffabgabe
Das Implantat wird in einem etwa 45-minütigen Eingriff in das Auge eingesetzt. Es gibt den Wirkstoff Ranibizumab kontinuierlich an das Auge ab. Etwa alle sechs bis neun Monate wird es ambulant nachgefüllt. Diese Innovation kann die Versorgung von Patienten mit nAMD erheblich verbessern“, sagt Prof. Thomas Ach, leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Augenklinik am UKB.
Für die Behandlung kommen nach der europäischen Zulassung erwachsene Patient mit nAMD infrage, deren Erkrankung zuvor auf eine Behandlung mit einem VEGF-Hemmer angesprochen und stabilisiert wurde.
Erfahrungen aus den Studien am UKB
In der Zulassungsstudie ARCHWAY zeigte sich über zwei Jahre eine vergleichbare Entwicklung von Sehschärfe und zentraler Netzhautdicke wie bei monatlichen Ranibizumab-Injektionen. Längerfristige Daten zeigen, dass die Behandlung mit etwa zwei Auffüllungen pro Jahr über mehrere Jahre fortgeführt werden kann. Auch unter Versorgungsbedingungen verringerte sich die Zahl der Behandlungen: In der Studie BELVEDERE sank sie bei zuvor mit IVOM behandelten Patient von durchschnittlich 9,2 auf 2,0 Behandlungen pro Jahr.
Das UKB war bereits seit 2024 an klinischen Studien beteiligt, in denen Patient:innen mit dem Implantat behandelt wurden. „Die Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten waren sehr positiv“, berichtet PD Dr. Kristina Pfau, Oberärztin und Leiterin des klinischen Studienzentrums der Augenklinik am UKB. „Umso erfreulicher ist es, dass wir diese Behandlung nun regulär anbieten können“.
Perspektive für die Forschung
Für das UKB ist das Implantat auch mit Blick auf mögliche zukünftige Anwendungen interessant. „Das Prinzip, einen Wirkstoff über ein Implantat kontinuierlich abzugeben, könnte perspektivisch auch für andere Medikamente untersucht werden“, sagt Prof. Holz. „Ob und für welche Erkrankungen sich das eignet, muss in weiteren Studien geprüft werden.“
Hintergrund
Contivue ist ein dauerhaft im Auge verbleibendes, nachfüllbares Implantat. Es gibt den Wirkstoff Ranibizumab kontinuierlich in den Glaskörper ab. Susvimo (Ranibizumab 100 mg/ml) wurde im September 2026 von der Europäischen Kommission zur Anwendung mit Contivue bei bestimmten Erwachsenen mit neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration zugelassen.
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