Witten/Herdecke: Kopfschmerzen sind meist gut behandelbar – wenn die Diagnose stimmt

Viele Menschen leben unnötig mit regelmäßigen Kopfschmerzen. Zum Weltkopfschmerztag am 5. September erklärt Allgemeinmediziner Prof. Klaus Weckbecker, warum die Schmerztablette keine Dauerlösung ist.

Eine junge Frau sitz auf einem Sofa, hält in der einen Hand eine Brille und stützt ihren Kopf in die andere Hand, Weltkopfschmerztag
Kopfschmerzen (Symbolbild)
© fizkes| stock.adobe.com

Kopfschmerzen gehören für viele Menschen zum Alltag – und werden entsprechend oft selbst behandelt. Schmerztablette nehmen, weitermachen. Doch bei regelmäßig wiederkehrenden Beschwerden kann genau das zu kurz greifen: Erst die richtige Diagnose ermöglicht eine gezielte Behandlung.

„Kopfschmerz ist sehr oft gut behandelbar“, sagt Prof. Dr. Klaus Weckbecker, praktizierender Hausarzt und Leiter des Instituts für Allgemeinmedizin und Ambulante Gesundheitsversorgung (iamag) an der Universität Witten/Herdecke (UW/H). Entscheidend sei zunächst herauszufinden, welcher Kopfschmerz überhaupt vorliegt.

In der Medizin sind mehrere Hundert verschiedene Kopfschmerzarten beschrieben. Besonders häufig sind Spannungskopfschmerzen und Migräne, deutlich seltener ist beispielsweise der Clusterkopfschmerz. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihren Symptomen, sondern auch in ihren Auslösern und in der Behandlung. Je nach Kopfschmerzart variieren die Therapien erheblich. Was bei Migräne sinnvoll sein kann, hilft bei Clusterkopfschmerzen nicht. Bei Migräne kommen beispielsweise moderne Antikörpertherapien zur Prophylaxe infrage, bei Clusterkopfschmerzen unter anderem Sauerstoffinhalationen.

 „Die Anamnese ist unser wichtigstes Werkzeug“, sagt Weckbecker, also das ausführliche Gespräch mit den Patient:innen. Entscheidend sind dabei Fragen wie: Wann treten die Schmerzen auf? Wie häufig? Wie lange dauern sie? Wo sitzen sie? Wie fühlen sie sich an? Gibt es Begleitsymptome oder mögliche Auslöser? Ein Kopfschmerzkalender kann helfen, solche Muster sichtbar zu machen.

Auslöser gibt es viele – und sie sind individuell. Zu wenig Schlaf kann Kopfschmerzen begünstigen, aber auch Veränderungen des Schlafrhythmus‘ oder ungewöhnlich viel Ruhe. Stress kann eine Rolle spielen, ebenso bestimmte Lebensmittel oder andere persönliche Faktoren.

Ganz anders gelagert ist ein plötzlich einsetzender, extrem starker Kopfschmerz, der innerhalb von Sekunden seine maximale Intensität erreicht – der sogenannte Vernichtungskopfschmerz – kann auf eine Hirnblutung hinweisen und ist ein medizinischer Notfall.


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