30.07.2026

© Intuitive Fotografie Köln
Ein neuartiges Netzhautimplantat eröffnet Menschen mit geographischer Atrophie erstmals die Möglichkeit, einen Teil ihres zentralen Sehvermögens zurückzugewinnen. Die Erkrankung ist eine schwere Spätform der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Ein internationales Forschungsteam um Prof. Frank. G. Holz vom Universitätsklinikum Bonn (UKB) und der Universität Bonn konnte in einer internationalen klinischen Studie nachweisen, dass die Mehrzahl der Teilnehmenden deutliche Verbesserungen der Sehschärfe zeigten – mehr als 84 Prozent konnten nach der Implantation wieder Buchstaben, Zahlen oder Wörter erkennen. Jetzt ist die neuartige Netzhaut-Implantattechnologie außerhalb von Studien für die reguläre Krankenversorgung für den europäischen Markt zugelassen.
Erstmals kann das zentrale Sehvermögen teilweise zurückgewonnen werden
Die für die Umwandlung des Lichts in elektrische Impulse verantwortlichen Zellen der Netzhaut sterben bei der AMD ab. Der nur 2 × 2 Millimeter große und 30 Mikrometer dünne Mikrochip wird im Rahmen eines mikrochirurgischen Eingriffs unter die Netzhaut eingesetzt und ersetzt die Funktion degenerierter Photorezeptoren. Über eine spezielle Brille wird Infrarotlicht auf das Implantat projiziert, das dieses in elektrische Signale umwandelt. Diese regen verbliebene, intakte Netzhautzellen an, wodurch im visuellen Cortex des Gehirns optische Wahrnehmungen entstehen. Diese Technik kann die Sehschärfe bereits nach zwölf Monaten signifikant verbessern – um mindestens zehn Buchstaben auf der standardisierten ETDRS-Sehtafel. Gleichzeitig bleibt das natürliche periphere Sehvermögen stabil. Das Implantat wird insgesamt gut vertragen. Die meisten Nebenwirkungen treten innerhalb der ersten acht Wochen auf. Insgesamt kann erstmals mit dem Implantat das zentrale Sehvermögen teilweise zurückgewonnen werden.
Meilenstein in der Behandlung einer fortgeschrittenen Makuladegeneration
„Die Therapie ist ein Paradigmenwechsel in der Therapie der geographischen Atrophie bei AMD. Erstmals wird damit für Patientinnen und Patienten ein Therapieverfahren zugänglich, mit dem eine Sehverbesserung erreicht wird.“ Bisherige Therapieansätze zielten lediglich auf eine Verlangsamung des Fortschreitens der Erkrankung hin, sagt Prof. Holz. Er ist Direktor der Augenklinik des UKB sowie Mitglied in dem Exzellenzcluster ImmunoSensation3 der Universität Bonn. Aktuell schaffte es der Bonner Netzhautchirurg mit diesem bahnbrechenden Therapieverfahren auf die renommierte Shortlist der in der Kategorie .
Nutzen überwiegt potenzielle Risiken
Der jetzt zugelassene subretinale Mikrochip richtet sich an Patient:innen mit der atrophischen Spätform der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD), der sog. „geographischen Atrophie“ mit Verlust des zentralen Sehens an beiden Augen. Nach der Implantation erfolgt eine mehrmonatige Reha, in der das Sehen und Lesen mit dem implantierten Mikrochip trainiert wird. Ein unabhängiges sprach sich einstimmig für eine Zulassung der Technologie aus. Die Expertengruppe kam zu dem Schluss, dass der klinische Nutzen die potenziellen Risiken überwiegt.
Die Verfügbarkeit dieser Therapie stellt einen Durchbruch bei der Therapie der trockenen AMD dar und ich freue mich, dass Betroffene nun davon profitieren können. Viele Therapieansätze sind in der Vergangenheit gescheitert – das neue Behandlungsverfahren ist das Ergebnis einer erfolgreichen interdisziplinären Zusammenarbeit vieler Experten und Arbeitsgruppen über viele Jahre, zu der wir beitragen durften.
Neun Monate nachdem die klinische Studie im renommierten (NEJM) veröffentlicht wurde, freuen sich die beteiligten Ärzte und Wissenschaftler nun über die europäische Zulassung.
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