04.11.2026
Hitze, Extremwetterereignisse, veränderte Allergenbelastungen und neue Infektionsrisiken stellen Gesundheitswesen und Gesellschaft vor wachsende Herausforderungen. Mit dem Whitepaper „Klimawandel und Gesundheit – Forschung und Translation in NRW“ zeigt das Cluster Medizin.NRW, wie Akteur:innen aus Wissenschaft, Gesundheitsversorgung, Wirtschaft und öffentlicher Hand diesen Herausforderungen begegnen. Die Publikation stellt ausgewählte Forschungs- und Praxisansätze aus Nordrhein-Westfalen vor und benennt Erfolgsfaktoren, um wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Anwendungen zu überführen.
Wir werden die großen Herausforderungen der medizinischen Versorgung nur meistern, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen eng zusammenarbeiten. Das gilt für die gesundheitlichen Belastungen durch Hitzeperioden oder anderer extremer Wetterlagen ebenso wie für die großen Volkskrankheiten Krebs und Demenz. Das Cluster Medizin.NRW bündelt das Wissen von Spitzenforscherinnen und -forschern verschiedener Fachrichtungen mit Expertinnen und Experten aus Verbänden und Unternehmen. Von diesem Zusammenschluss profitieren Patientinnen und Patienten ebenso wie der Gesundheitsstandort Nordrhein-Westfalen.
Forschung aus Nordrhein-Westfalen: Lösungen für Gesundheit im Klimawandel
Das Whitepaper beleuchtet vier zentrale Themenfelder: Prävention und Gesundheitsförderung, klimaresiliente Lebens- und Arbeitswelten, Infektionskrankheiten sowie nicht-übertragbare Erkrankungen und Katastrophen. Die Beispiele zeigen, dass Forschung in Nordrhein-Westfalen nicht bei der Beschreibung klimabedingter Gesundheitsrisiken stehen bleibt. Sie entwickelt Ansätze, um Risiken frühzeitig zu erkennen, besonders gefährdete Menschen zu schützen und Versorgung sowie Lebenswelten widerstandsfähiger zu gestalten.

In unserem Spotlight: Klimawandel und Gesundheit in NRW am 10. November 2026 stellen wir gemeinsam mit den Autor:innen das Whitepaper vor.
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Wie das konkret aussehen kann, verdeutlichen unterschiedliche Projekte: Der Düsseldorfer Forschungsverbund UNITY untersucht, wie der Ausbau einer attraktiven Radverkehrsinfrastruktur mit gesundheitlichen und umweltbezogenen Effekten zusammenhängt. Das Projekt ADAPT-HEAT entwickelt praxisnahe Empfehlungen für eine hitzesensible Medikationsanpassung, um die Arzneimitteltherapiesicherheit während Hitzeperioden zu verbessern. Green Hospital Food an der Universitätsmedizin Essen verbindet die Weiterentwicklung einer gesunden und nachhaltigen Krankenhausverpflegung mit der Reduktion von Lebensmittelverschwendung.
Weitere Beiträge widmen sich klimasensibler Gesundheitsberatung, der Qualifizierung von Pflegefachpersonen, neuen antimikrobiellen Strategien und datenbasiertem Pandemiemanagement. Hinzu kommen Ansätze zur Prävention beruflicher Allergien, zur telemedizinischen Grundversorgung in Katastrophengebieten und zum Hitzeschutz für alleinlebende ältere Menschen. Gemeinsam machen sie die fachliche Breite und die vielfältigen Wege von Forschung in die praktische Anwendung sichtbar.Von der Erkenntnis zur Anwendung: Prioritäten für Nordrhein-Westfalen
Eine zentrale Botschaft des Whitepapers: Gesundheit im Klimawandel zu schützen, bedeutet mehr, als auf akute Belastungen zu reagieren. Prävention und Gesundheitsförderung müssen ebenso an den Bedingungen ansetzen, unter denen Menschen leben, lernen, arbeiten und versorgt werden. Gesundheitsfördernde Mobilität, nachhaltige Ernährung, angepasste Arbeitsprozesse und klimaresiliente Versorgungsstrukturen können dazu beitragen, Risiken zu mindern und gesundheitliche Ressourcen zu stärken. Individuelles Verhalten und geeignete gesellschaftliche Rahmenbedingungen müssen dabei zusammengedacht werden.
Damit erfolgreiche Ansätze über einzelne Projekte hinaus Wirkung entfalten, empfiehlt das Whitepaper, die spätere Anwendung bereits bei der Projektentwicklung mitzudenken und Praxispartner frühzeitig einzubinden. Weitere Erfolgsfaktoren sind verlässliche Daten- und Monitoringstrukturen, die differenzierte Berücksichtigung vulnerabler Gruppen sowie bedarfsgerechte Bildungs- und Kommunikationsangebote.
Für die Umsetzung in der Praxis braucht es mehr als wissenschaftliche Erkenntnisse: Arztpraxen benötigen Zeit und Finanzierung für klimabezogene Maßnahmen, Krankenhäuser klare Zuständigkeiten und die Unterstützung ihrer Leitung. Neben den Projektteams sind deshalb auch die Verantwortlichen in Versorgungseinrichtungen, Politik und Verwaltung gefragt, geeignete Rahmenbedingungen zu schaffen. Ebenso wichtig ist es, erfolgreiche Ansätze für andere Einrichtungen nutzbar zu machen. So sollen z. B. eine Rezeptdatenbank und eine Transformationsleitlinie aus dem Projekt Green Hospital Food anderen Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen die Umstellung auf eine gesunde und nachhaltige Verpflegung erleichtern.
Leuchtturm Climate&Health.NRW
Nordrhein-Westfalen bietet mit seiner dichten Forschungs- und Versorgungslandschaft sowie der interdisziplinären Breite gute Voraussetzungen, um Klimawandel und Gesundheit gemeinsam zu bearbeiten. Der Leuchtturm Climate&Health.NRW innerhalb des Clusters Medizin.NRW unterstützt die Vernetzung in diesem Themenfeld und bietet ein gemeinsames Dach für strategische Themen, Publikationen, Veranstaltungen und neue Kooperationsansätze. Das Whitepaper ist eine Initiative des Leuchtturms und soll Orientierung geben, bestehende Kompetenzen sichtbar machen und Impulse für die weitere Zusammenarbeit setzen.
Weitere Informationen
Der Leuchtturm Climate&Health.NRW beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit und wie diese adressiert werden können.
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