Uniklinik Köln veröffentlicht Studie zum Post-COVID-Syndrom

Post-COVID, auch Long COVID genannt, ist eine mögliche Langzeitfolge einer COVID-19-Erkrankung. Die neue Studie fokussiert sich auf Patient:innen mit einem milderen Krankheitsverlauf und zeigt, dass auch in diesen Fällen schwere Folgen auftreten können.

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Prof. Dr. Clara Lehmann

Michael Wodak

Der Begriff Post-Covid-Syndrom oder auch Long Covid beschreibt das Symptom-Bündel, das auch nach einer SARS-CoV-2-Infektion mit milden Krankheitsverlauf auftreten kann. Bislang weiß man nicht viel über langfristige gesundheitliche Folgen einer Coronavirus-Infektion. Die meisten Studien dazu beschreiben vorrangig gesundheitliche Folgen bei Patienten während einer COVID-19-Erkrankung und bei Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die neue Studie der Infektiologie der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät fokussiert sich dagegen auf die große Mehrheit der Patienten mit einem milderen Krankheitsverlauf (WHO-Score1-3). Ihre Ergebnisse wurden nun im renommierten Wissenschaftsjournal „The Lancet Regional Health“ veröffentlicht.

Bei den meisten Patienten treten die Hauptsymptome während der akuten COVID-Erkrankung auf, die Mehrheit der Patienten erholt sich vollständig davon. Ein nicht unerheblicher Teil der Patienten kämpft aber auch lange danach noch mit gesundheitlichen Folgen. „Wir haben eine Analyse der gesundheitlichen Folgen bei Patienten durchgeführt, die anfänglich keine oder nur geringfügige Symptome einer Infektion mit dem Coronavirus Typ 2 (SARS-CoV-2) hatten. Wir konzentrieren uns dabei auf Patienten, die nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten“, erklärt Prof. Dr. Clara Lehmann, Leiterin der Infektionsambulanz der Uniklinik Köln und verantwortlich für die Studie.

„Wir haben dafür die Daten von knapp 1.000 Patientinnen und Patienten mit überwiegend milden COVID-19-Verläufen ausgewertet, die wir für die Studie durchschnittlich sieben Monate in maßgeblicher Kooperation mit dem Institut für Virologie der Uniklinik Köln begleitet haben. Ein erfahrener Arzt überprüfte bei jedem Besuch kritisch die berichteten Symptome der Patienten. Wir haben bei jedem Besuch die Antikörper (SARS-CoV-2-IgG) bestimmt, um die berichteten Symptome mit den Labor-Daten in Verbindung zu bringen“, ergänzt Dr. Max Augustin, Assistenzarzt in der Infektiologie und Autor des Artikels.

Vier Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion trat bei 9 Prozent der Patienten Kurzatmigkeit auf. 12 Prozent klagten über eine Geruchsstörung, 11 Prozent über einen Geschmacksverlust und 10 Prozent der Patienten berichteten eine ungewohnte Müdigkeit.

Mindestens eines dieser charakteristischen Symptome trat bei 28 Prozent der Patienten im vierten Monat und bei 35 Prozent im siebten Monat nach Beginn der Infektion auf. Diese Symptome werden als Post-COVID-Syndrom (PCS) zusammengefasst. 123 Patienten von 958 Patienten hatten diese PCS – das entspricht rund 13 Prozent. Einen großen Unterschied beobachtete Prof. Lehmann bei der Geschlechterverteilung: „Frauen waren in unserer Untersuchung mehr als doppelt so häufig von Post-COVID betroffen als Männer.“

Die Studie wurde maßgeblich durch die Immunologie-Plattform COVIM als Teil des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) unterstützt.

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Zur Originalpublikation: DOI: https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2021.100122