Uniklinik Köln startet Forschungsprojekt zur personenzentrierten Versorgung von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen

Das Institut für Pflegewissenschaft der Universität zu Köln (IfP) entwickelt in einem BMBF-geförderten Projekt ein Konzept zu erweiterten Rollen und Aufgaben von Pflegefachpersonen im Krankenhaus. Ziel ist es, Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen Krankenhausaufenthalte zu erleichtern und deren Dauer zu verkürzen.

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Anfang März startete an der Uniklinik Köln das Forschungsprojekt „Enrole Acute - Erweiterte Rollen für Pflegefachpersonen zur personenzentrierten Versorgung von Menschen mit kognitiven Einschränkungen im Krankenhaus“. Ziel des Projekts ist unter anderem, dass Pflegefachpersonen in interdisziplinären Teams mehr Verantwortung und Handlungskompetenzen über erweiterte Rollen zugesprochen werden. Ein Teil des Konzepts sieht deshalb die spezifische Weiterqualifikation von sechs bereits akademisch qualifizierten Pflegefachpersonen vor. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit fast 1 Mio Euro gefördert.

Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen – hierzu zählen beispielsweise Menschen mit Demenz und Menschen mit geistiger Behinderung – haben häufig eine längere Verweildauer im Krankenhaus, erleben Episoden von Delir, zeigen veränderte Verhaltensweisen oder erleiden unerkannte Schmerzen. „Mit dem Projekt können wir klären, ob diese Schwierigkeiten reduziert oder sogar vermieden werden können, wenn Pflegefachpersonen und das gesamte interdisziplinäre Versorgungsteam noch gezielter auf die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten eingehen.

Internationale Studien zeigen, dass personenzentrierte Pflege besonders dann gelingt, wenn entsprechend ausgebildete Personen im pflegerischen Alltag als Vorbilder dienen und ihr Wissen in die Stationsteams tragen“, erläutert Dr. Martin Dichter vom Institut für Pflegewissenschaft und Leiter des Projekts. „Je kürzer der Krankenhausaufenthalt, umso schneller können Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen wieder zurück in ihr gewohntes und Sicherheit gebendes Lebensumfeld. Das ist immens wichtig für ihre Lebensqualität“, ergänzt Prof. Dr. Sascha Köpke, Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft.

Die sogenannte „personenzentrierte Krankenhausversorgung“ wird in aktuellen nationalen und internationalen Versorgungsleitlinien empfohlen. Im Kern geht es darum, Patientinnen und Patienten individuell zu fördern, wertzuschätzen und ihre Perspektiven einbeziehen. Die Umsetzung eines stärker personenzentrierten Versorgungsansatzes in der Pflege und der gesamten Krankenhausversorgung ist jedoch eine große organisatorische Herausforderung und erfordert besondere Kenntnisse des pflegerischen und medizinischen Fachpersonals. Das im Rahmen des Projekts erarbeitete Konzept soll deshalb alle beteiligten Gruppen – Mitglieder der interdisziplinären Stationsteams sowie des Pflegemanagements und auch Patientinnen und Patienten und deren Angehörige – mit einbeziehen.


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