G-BA fördert drei Projekte der Uni Witten/Herdecke zur Versorgungsforschung

Themen sind das akute Delir bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Altenpflegeeinrichtungen, eine Schmerz-App für Kinder und Jugendliche sowie Leitlinien in allgemeinverständlicher Sprache für die Onkologie.

Frau mit Tablet-Computer vor Datenmonitor

Der Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hat bekanntgegeben, welche neuen Projekte aus dem Bereich der Versorgungsforschung mit Bundesmitteln gefördert werden. Insgesamt wird der Innovationsausschuss 33 von 186 Projektanträgen finanzieren, davon drei unter Beteiligung der Universität Witten/Herdecke (UW/H).

Die Versorgungsforschung untersucht die Strukturen und Prozesse des Gesundheitssystems und befasst sich unter anderem mit der Verordnung von Arznei-, Hilfs- und Heilmitteln, der Qualität der Versorgung mit diagnostischen und therapeutischen Methoden sowie mit Nutzen und Risiken des Einsatzes medizinischer Geräte. Seit 2016 werden mit dem Innovationsfonds innovative, sektorenübergreifende neue Versorgungsformen und Vorhaben der praxisnahen Versorgungsforschung gefördert.

Delir in Altenpflegeeinrichtungen (DeliA):

Dieses Forschungsprojekt widmet sich dem Thema des akuten Delirs bei Bewohnerinnen und Bewohnern von stationären Altenpflegeeinrichtungen. Das akute Delir ist eine kognitive Störung der Aufmerksamkeit und des Bewusstseins, die unbehandelt lebensbedrohlich sein kann. Im Alltag ist es insbesondere schwer von einer sich verschlechternden Demenzerkrankung zu unterscheiden, weshalb es oft nicht erkannt wird. Aktuell ist für Deutschland nicht bekannt, wie viele Bewohnerinnen und Bewohner von stationären Altenpflegeeinrichtungen ein akutes Delir entwickeln.

Ziel ist deshalb unter anderem herauszufinden, wie häufig die Erkrankung auftritt. Zusätzlich werden professionell Pflegende und (Haus-) Ärzte zum Umgang mit der Erkennung und Prävention eines Delirs interviewt. Das Projektteam möchte zudem ein interdisziplinäres und interaktives E-Learning Tool entwickeln, mit dem Pflegende und Ärzte geschult werden können. Das E-Learning-Tool soll nach Projektabschluss öffentlich verfügbar sein, so dass es in die Curricula von Universitäten, Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen übernommen werden kann. Das Projekt wird von Prof. Dr. Rebecca Palm vom Department für Pflegewissenschaft der UW/H geleitet und mit Prof. Dr. Petra Thürmann (ebenfalls UW/H) sowie den Konsortialpartnern Dr. Bernhard Holle vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen Witten sowie Prof. Dr. Ina Otte und Prof. Dr. Horst Christian Vollmar von der Ruhr Universität Bochum durchgeführt.

Einfluss von Feedback-Funktionen einer pädiatrischen Schmerz-App auf die Versorgungsqualität (Feed-bApp):

In der Studie Feed-bApp soll begleitend zu einer intensiven stationären Schmerztherapie von Kindern und Jugendlichen eine App eingesetzt werden. Diese App bietet je nach zufälliger Gruppenzuweisung drei unterschiedlich intensive Feedback-Funktionen für Kinder und deren Eltern. Es soll untersucht werden, wie wirksam die unterschiedlich intensiven Feedback-Funktionen vor allem in Bezug auf die schmerzbezogene Beeinträchtigung und Therapiezufriedenheit sind, in welchem Verhältnis die Kosten zur Wirksamkeit stehen und auch, wie sich die unterschiedlichen Feedback-Intensitäten auf das Versorger-Patienten-Verhältnis auswirken.
An der Studie beteiligt sind 400 Patienten und Patientinnen (12 bis 18 Jahre) und deren Eltern. Die Erkenntnisse können darüber hinaus wichtige Hinweise für den Einsatz von Apps in anderen Bereichen der Gesundheitsversorgung liefern.

Projektleiter ist die Forschungseinrichtung PedScience unter der Leitung von Prof. Dr. Boris Zernikow und Dr. Julia Wager aus Datteln. Konsortialpartner sind unter anderem die Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln als Kinderklinik der UW/H sowie der Lehrstuhl für Institutionenökonomik und Gesundheitspolitik von Prof. Dr. Dirk Sauerland.

Anwendbarkeit und Implementierung von Patientenleitlinien in der Onkologie (AnImPaLLO):

Menschen mit einer Krebserkrankung haben sowohl während als auch nach der Behandlung ein hohes Informationsbedürfnis unter anderem in Bezug auf Nebenwirkungen, verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und Krankheitsverlauf. Verschiedene Studien haben jedoch gezeigt, dass dieses Informationsbedürfnis häufig nicht ausreichend erfüllt wird. In Deutschland werden im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie seit einigen Jahren patientenverständliche Versionen von klinischen Leitlinien, sogenannte Patientenleitlinien, erstellt. Bislang liegen jedoch kaum Kenntnisse aus Erfahrungen mit diesen Leitlinien in allgemeinverständlicher Sprache vor. Ziel ist es deshalb, Bedeutung und Anwendbarkeit sowie Implementierung und Nutzung von Patientenleitlinien in der Onkologie zu untersuchen.

Dazu sollen sowohl nationale und internationale Entwickler von Patientenleitlinien befragt als auch die Einschätzungen von Patientinnen und Patienten sowie von Menschen in beteiligten Gesundheitsberufen ermittelt werden, wie sich onkologische Patientenleitlinien auf den Umgang mit der Erkrankung auswirken können. In einer weiterführenden, vertiefenden Erhebung werden Betroffene sowie Menschen, die in der Behandlung von Patientinnen und Patienten involviert sind, speziell zu den Patientenleitlinien zu Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs befragt. Aufbauend auf den Ergebnissen soll das Projekt Empfehlungen für die Weiterentwicklung von Patientenleitlinien und für ihre verbesserte Verbreitung und Nutzung in Deutschland geben.

Projektleiter ist Dr. Dawid Pieper vom Institut für Forschung in der Operativen Medizin der UW/H in Köln.


Weiterführende Informationen

Meldung der Universität Witten/Herdecke vom 07.12.2020

Meldung des Gemeinsamen Bundesausschuss vom 17.11.2020

Geförderte Projekte des Innovationsausschusses zu den Förderbekanntmachungen Versorgungsforschung vom 12. Dezember 2019