EU-weite Förderung: Mehr Blutplasma gegen COVID-19 gewinnen

Die Europäische Union fördert mit 40 Mio. Euro die Herstellung von COVID-Rekonvaleszentenplasma (CCP). Dieses wird aus dem Blut genesener Patientinnen und Patienten gewonnen und ist ein wichtiger Baustein zur Bekämpfung der COVID-19 Pandemie. In NRW kooperieren die Uniklinik Köln, die Universitätsmedizin Essen und das Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen.

Prof. Dr. Birgit Gathof, Uniklinik Köln

Prof. Dr. Birgit Gathof

Michael Wodak

Das Ziel der EU-weiten Projektes: Mehr Plasmen mit SARS-CoV-2-Antikörpern zu gewinnen. Das Plasma dient der direkten Patientenversorgung – zunächst in Studien, in besonderen Fällen im individuellen Heilversuch und der Herstellung von SARS-CoV-2-wirksamen Immunglobulinen im Rahmen der Kooperation mit der pharmazeutischen Industrie. Gleichzeitig soll die Infrastruktur der Blut- und Plasmaspende sowie für künftige Pandemien verbessert werden.

Uniklinik Köln koordiniert national

Prof. Dr. Birgit Gathof, Leiterin der Transfusionsmedizin und Blutspende der Uniklinik Köln, ist die nationale Koordinatorin für den EU-Antrag in Deutschland, der insgesamt vier Teilprojekte mit einem Gesamtvolumen von 8,1 Millionen Euro umfasst. „Mit den über 750.000 Euro für die Uniklinik Köln können wir zusätzliche Geräte zur Plasmaspende und Verbrauchsmaterialien kaufen. Damit können wir auch die Qualität sowohl der Blutspende als auch der Plasmaspende steigern“ erklärt Prof. Gathof.

Hilfe für schwerstkranke Patientinnen und Patienten

Auch in der Universitätsmedizin Essen kann mit Hilfe der Förderung von rund 700.000 Euro in zusätzliche Geräte investiert werden, die die Infrastruktur für die Sammlung der wichtigen Plasmaspenden deutlich verbessert. Prof. Dr. Peter Horn, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen, erläutert: „Rekonvaleszentenplasma, also Plasma mit SARS-CoV-2 -Antikörpern, ist auch darum von großer Bedeutung, weil es auch für schwerstkranke COVID-19-Patienten im Rahmen von klinischen Studien oder sogenannten individuellen Heilversuchen eingesetzt wird.“

Erkrankungsrisiko um bis zu 73 Prozent vermindern

Prof. Dr. Cornelius Knabbe, Direktor des Instituts für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen, ergänzt: „Erste Untersuchungsergebnisse deuten darauf hin, dass das Plasma selbst oder auch industriell verarbeitet in Form von Hyperimmunglobulin als sogenannte passive Impfung einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten kann.“ So verweist er auf die aktuell im New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse einer prospektiven Studie in Argentinien.
Durch diese konnte nachgewiesen werden, dass die frühzeitige Plasmatherapie bei nachgewiesener Infektion das Erkrankungsrisiko um bis zu 73 Prozent vermindern kann.

HDZ.NRW als eine der ersten Kliniken mit Plasmapräparaten gegen COVID-19

Das Herz- und Diabeteszentrum NRW hat bereits im März 2020 als eine der ersten Kliniken deutschlandweit mit der CCP-Herstellung begonnen. Bis Jahresende wurden fast 500 Präparate in der eigenen Uniklinik und zahlreichen anderen Kliniken in NRW eingesetzt. Bereits 1000 Liter SARS-CoV-2-Plasma konnte als Ausgangsstoff für die Herstellung von Hyperimmunplasmapräparaten zur Verfügung gestellt werden. Dank der EU-Förderung in Höhe von mehr als 700.000 Euro und der damit in Aussicht gestellten Beschaffung von weiteren Plasmapheresesystemen und Verarbeitungsanlagen, kann zukünftig die Plasmaspende am Herz- und Diabeteszentrum NRW ausgeweitet werden.

Ein "Cocktail an Antikörpern"

„Plasma ist ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Körpers, der nach Infektionen wie COVID-19 einen „Cocktail an Antikörpern“ gegen die jeweilige Infektion enthält. Rekonvaleszentenplasma von Genesenen ist schon Wochen nach Beginn einer neuen Infektion oder Pandemie herstell- und verfügbar, während künstlich hergestellte Antikörper und Impfstoffe mindestens Monate, oft Jahre der Entwicklung erfordern. Die im CCP enthaltenen SARS-CoV-2-Antikörper wirken auf natürliche Weise mit extrem geringen Risiken – auch das macht den Charme dieser „passiven Impfung“ aus, die noch dazu vergleichsweise kostengünstig ist“, betont Prof. Dr. Birgit Gathof wichtige Aspekte der Plasma- und Immunglobulin-Therapie.

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung der Uniklinik Köln vom 18.01.2021

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