Bonn: Antiepileptika mit Lichtschalter - ERC Starting Grant für Michael Wenzel

Dr. Michael Wenzel von der Klinik für Epileptologie des Universitätsklinikums Bonn erhält einen begehrten Starting Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC). Mit der damit verbundenen Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre möchte der Neurologe neue lichtaktivierbare Medikamente mit antiepileptischer Wirkung erforschen und untersuchen, wie sie gegen schwer behandelbare Epilepsien helfen können.

Dr. Michael Wenzel von der Universität Bonn erhält einen mit 1,5 Millionen Euro dotierten ERC Starting Grant.

Dr. Michael Wenzel von der Universität Bonn erhält einen mit 1,5 Millionen Euro dotierten ERC Starting Grant.

Universitätsklinikum Bonn (UKB)/Johann Saba

Der ERC Starting Grant richtet sich an exzellente Nachwuchsforschende am Beginn einer unabhängigen Karriere. Dr. Michael Wenzel beschäftigt sich mit Epilepsien – neurologischen Erkrankungen, von denen weltweit mehr als 50 Millionen Patientinnen und Patienten betroffen sind. „Trotz einer stetig anwachsenden Zahl an antiepileptischen Medikamenten können rund 30 Prozent der Epilepsien nicht medikamentös kontrolliert werden“, sagt Wenzel. Kommen Antiepileptika zum Einsatz, haben sie häufig Nebenwirkungen, zum Beispiel auf das Herz, das Denkvermögen, die Psyche oder auf das ungeborene Kind in der Schwangerschaft. Alternativ gibt es operative Maßnahmen, die jedoch nur für einen Bruchteil der Betroffenen infrage kommen. „Eine nebenwirkungsarme, effiziente antiepileptische Therapie wäre also von enormem Wert für Patienten mit schwer behandelbarer Epilepsie“, betont Michael Wenzel.

Genau hier soll das neu geförderte Projekt ansetzen. Dazu nehmen Wenzel und sein Team sogenannte photoaktivierbare Wirkstoffe ins Visier. Das Besondere an dieser Art von Arzneimitteln ist, dass sie erst ihre Wirkung entfalten, wenn sie mit Licht bestrahlt werden. So könnten Ärztinnen und Ärzte sie genau an dem Ort im Körper „einschalten“, an dem sie gebraucht werden. In dem Projekt nutzen die Forschenden Substanzen mit hoher antiepileptischer Wirksamkeit aus anderen Fachbereichen, wie zum Beispiel den Stoff Propofol aus der Anästhesie. Ziel ist es, die Substanzen chemisch so zu verändern, dass sie erst durch Einwirken von Licht einer bestimmten Wellenlänge in einer umschriebenen Hirnregion aktiv werden. „Durch die lokale Lichtaktivierbarkeit kann man sich wirkungsvolle Substanzen mit unterschiedlichen Angriffspunkten aus anderen Fachbereichen in der Epileptologie zunutze machen und medikamentöse Nebenwirkungen auf den Körper minimieren“, sagt Michael Wenzel.

Fächerübergreifende Zusammenarbeit

Für das Projekt führt Michael Wenzel verschiedenste Disziplinen unter einem Dach zusammen. Beteiligt sind die Epileptologie, die neurobiologische Grundlagenforschung und die medizinische Chemie. „Auch wenn das Projekt auf einen Antragsteller ausgerichtet ist und ich gerade als Clinician Scientist das Bindeglied zwischen den Projektebenen darstelle, erfolgt die Konzeption und Synthese der erforschten Substanzen natürlich in Zusammenarbeit mit anderen, allen voran Prof. Christa Müller hier in Bonn“, sagt Michael Wenzel. Er ist Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich „Leben und Gesundheit“ der Universität Bonn. „Ein Einzelner kann die Expertise, die für die Umsetzung eines solchen Forschungsprojekts notwendig ist, kaum abdecken“, betont er.


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Zur Pressemitteilung beim idw.