Bochum: Kein besonderes Infektionsrisiko für Sars-Cov-2 durch Bargeld

Aus Angst vor Ansteckung wird in der Pandemie viel mehr bargeldlos gezahlt. Das wäre nicht nötig, zeigt nun eine Studie der Abteilung für Medizinische und Molekulare Virologie der Ruhr-Universität Bochum.

Wer mit Bargeld bezahlt, setzt sich keiner großen Infektionsgefahr für Sars-Cov-2 aus.
Wer mit Bargeld bezahlt, setzt sich keiner großen Infektionsgefahr für Sars-Cov-2 aus.
© RUB, Marquard

Wie lange bleiben Sars-Coronaviren auf Banknoten und Münzen infektiös? Ist es möglich, sich durch den Kontakt mit Bargeld anzustecken? Diese Frage wollten Expert:innen der Europäischen Zentralbank in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Medizinische und Molekulare Virologie der RUB in einer Studie klären. Die Forschenden um Prof. Dr. Eike Steinmann und Dr. Daniel Todt entwickelten eigens eine Methode, um zu überprüfen, wie viele infektiöse Viruspartikel von Geld auf die Haut übertragen werden können. Fazit: Unter realistischen Bedingungen ist das Risiko, sich per Bargeld mit Sars-Cov-2 anzustecken, sehr gering. Die Studie ist veröffentlicht in der Zeitschrift iScience vom 26. Juli 2021.

Viren auf Scheinen und Münzen

Um herauszufinden, wie lange sich Sars-Cov-2 auf Münzen und Banknoten hält, behandelten die Forschenden verschiedene Eurogeldstücke und -scheine mit unterschiedlich hoch konzentrierten Viruslösungen und beobachteten über mehrere Tage, wie lange noch infektiöse Viren nachweisbar waren. Als Vergleich diente jeweils eine Edelstahloberfläche. Die Ergebnisse können beruhigen: Während auf der Edelstahloberfläche noch nach sieben Tagen infektiöse Viren vorhanden waren, waren sie vom 10-Cent-Stück nach sechs Stunden, vom 5-Cent-Stück nach einer Stunde komplett verschwunden. „Dass es beim 5-Cent-Stück schneller geht, liegt daran, dass es aus Kupfer besteht, worauf Viren bekanntermaßen weniger stabil sind“, erklärt Daniel Todt. Auf 10-Euro-Scheinen dauerte es drei Tage bis zum vollständigen Verschwinden infektiöser Viren, bei der 1-Euro-Münze zwei Tage.

Künstliche Haut

Das Forschungsteam entwickelte eine neue Methode, um zu untersuchen, wie gut das Virus von einer Oberfläche auf die Fingerspitze übertragen wird. Sie benetzten Geldscheine, Münzen und kredtikartenähnliche PVC-Platten mit ungefährlichen Coronaviren sowie unter Hochsicherheitsbedingungen mit Sars-Cov-2. Diese Oberflächen wurden dann noch feucht oder bereits getrocknet von Probandinnen und Probanden mit den Fingerspitzen oder im Fall von Sars-Cov-2 mit künstlicher Haut berührt. Danach wurden Zellkulturen mit den an den Fingerspitzen haftenden Viren angeimpft. Diese und die künstliche Haut untersuchten die Forschenden dann daraufhin, wie viele infektiöse Viruspartikel übertragen worden waren.

„Wir haben gesehen, dass schon nachdem die Flüssigkeit angetrocknet war, praktisch keine Übertragung infektiöser Viren mehr stattfindet“, fasst Daniel Todt zusammen. „Unter realistischen Bedingungen ist eine Ansteckung mit Sars-Cov-2 an Bargeld sehr unwahrscheinlich.


Weitere Informationen

Zur Pressemitteilung der RUB.

Zur Originalpublikation.


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